Grundlagen der Kreiseltheorie
In Luftfahrzeugen werden eine Vielzahl von Kreiselgeräten eingesetzt. Hauptsächlich erfolgt die Anwendung in Fluglage- und Navigationsgeräten. Die Anwendung erfolgt unter anderem in
- Künstlichen Horizonten
- Wendezeigern
- Kurssystemen (Kreiselkompass)
- Trägheitsnavigationssystemen (dort zur Stabilisierung der Plattform)
- stabilisierten Plattformen, z.B. in Waffenanlagen.

- Kreisel
Dieses Drehmoment spielt eine Rolle bei allen weiteren Betrachtungen von Kreiselwirkungen, wobei die Auswirkungen der Kreiseltheorie bis in die Aerodynamik reichen; schließlich sind auch Trag- und Heckschrauben und Verdichter sowie Turbinen große Kreisel, deren Kräfte und Momente nicht zu vernachlässigen sind. Insbesondere die Neigung des Tragschraubenkegels verursacht große Auswirkungen.

- Kreiselpräzession
In nebenstehendem Bild ist der Vektor des Drehmoment des Kreisels nach rechts gerichtet und behält diese Lage bei (1). Versucht man nun, den rotierenden Kreisel in seiner Gesamtheit entgegen dem Uhrzeigersinn horizontal zu drehen (2), hat diese von außen verursachte Bewegung natürlich auch ein eigenes Drehmoment, dessen Vektor (3) hier senkrecht nach oben gerichtet ist. Die darauf folgende Bewegung des Kreisels bewirkt ein Wandern des Kreisel-Drehmomentes in Richtung des störenden Drehmomentes (4). In vorliegendem Fall führt das also zu eines Linksneigung des Kreisels.
Einfach ausgedrückt: die Lage Kreiselachse wird durch die äußere Bewegung verändert. Die Kipprichtung ist die um 90° in Drehrichtung des Kreisels versetzte Stördrehung.
Diese Bewegung wird Präzession genannt und ist für viele Meß- und Korrekturvorgänge von Bedeutung. Ein Wendezeiger zum Beispiel bezieht seine Meßgröße aus eben dieser Präzession.
Vollkardanische und halbkardanische Kreise
In der Praxis werden Kreisel für die unterschiedlichen Zwecke als halb- oder vollkardanische Kreisel ausgeführt.
-
Vollkardanischer Kreisel

- Prinzip des vollkardanischen Kreisels
Mehr Aufwand wird betrieben, wenn er in hoch manövrierfähigen Flugzeugen eingesetzt wird, denn hier kann es bei extremer Schräglage oder Längsneigung dazu kommen, dass die beiden Rahmen, die hier standardmäßig 90° zueinander stehen, in der selben Ebene liegen und sich quasi gegenseitig blockieren. Für solche Fälle werden Kreisel mit so genannten Folgerahmen aufgebaut. Bei diesen wird um den äußeren Rahmen noch ein weiterer Folgerahmen gesetzt, der nochmals um 90° verdreht ist. Damit ist in jedem Falle gewährleistet, dass die Rahmen sich nicht gegenseitig blockieren können.

- Prinzip des vollkardanischen Kreisels mit Folgerahmen
-
Halbkardanischer Kreisel

- Prinzip des halbkardanischen Kreisels
Die Präzessionsauslenkung des Kreisels ist um ein Vielfaches größer als die scheinbare Neigung durch die Schräglage. Mit verschiedenen mechanischen Mitteln wird die Reaktion auf eine vernünftiges Anzeigemaß gebracht.
Lageänderung des Kreisels in Bezug auf die Erde
Die weiter oben beschriebene Raumstabilität des Kreisels ist zwar die Voraussetzung für eine präzise Messung unterschiedlichster Angaben, jedoch ist sie nicht in jedem Falle dem Zweck dienlich. Die Raumstabilität bezieht sich auf den Weltraum und nicht auf die von uns als Maß der Dinge betrachteten Erdoberfläche. Der einmal rotierende Kreisel versucht seine Lage im Weltraum beizubehalten. Bei der Anwendung auf der Erde führt dies zu Problemen, da die Erdoberfläche sich gegenüber dem Weltraum bewegt und die Orientierung ändert.

- Änderung der relativen Lage eines vollkardanischen Kreisels in Bezug auf die Erdoberfläche mit fortschreitender Zeit
In der Praxis müssen für eine konstante Ausrichtung des Kreisels zur Erdoberfläche folgende Korrekturfaktoren berücksichtigt werden:
- Scheinbare Auswanderung der Kreiselachse infolge der Erddrehung
- Scheinbare Auswanderung der Kreiselachse bei Bewegung (Flug), da infolge der Erdkrümmung an jedem Ort eine gegenüber dem vorherigen Ort geneigte örtliche Vertikale und/oder N-S- und/oder O-W-Achse existiert
- Corioliskräfte bei Bewegung des Kreisels (Flug) nach Norden/ Süden
- Zentripetalkräfte beim Flug.
Die beiden letztgenannten Kräfte sind in ihrer Auswirkung erheblich kleiner als die Folgen der Erddrehung bzw. Eigenbewegung über die Erde und werden nicht in jedem Falle berücksichtigt.
Die relativen Lageänderungen eines Kreisels müssen ausgeglichen werden, um stets die richtige Fluglage in Bezug auf die Erde anzuzeigen. Je nach Anforderung und Gerät werden dazu unterschiedliche Steuermechanismen eingesetzt, die zum Teil erheblichen Aufwand bedeuten. Varianten sind:
- Messung der Abweichung der Kreiselachse aus der Mitte des Achslagers während des unbeschleunigten Fluges. Daraus wird eine Korrekturspannung abgeleitet, welche über einen Elektromotor den Kreiselrahmen dreht und so eine Präzession hervorruft, die die Kreiselachse wieder in die richtige Position bringt. Eine solche Vorgehensweise ist z.B. in der Mi-x mit einem Elektrolyt-Pendelschalter realisiert, der im künstlichen Horizont und weiteren Geräten zu finden ist.
- Integralkorrektur mit Steuerwerten aus der Beschleunigungsmessung - in aller Regel bei Trägheitsnavigationsanlagen verwendet, die eine kreiselstabilisierte Plattform haben. Die Anlage ermittelt infolge der Beschleunigungsmessung jederzeit die aktuelle geografische Position und führt über diese eine in der Größe angemessene Korrektur (ebenfalls über Ansteuerung des Kreiselrahmens - Präzession) aus.
Wendezeiger
Der Wendezeiger dient der Anzeige der Drehung um die Hochachse des Luftfahrzeuges und erlaubt dabei eine quantitative Abschätzung der Winkelgeschwindigkeit.
Grundlage ist ein halbkardanisch aufgehängter Kreisel, der bei der Drehung um die Hochachse des Luftfahrzeuges (da er gemeinsam mit diesem gedreht wird) eine Präzessionsbewegung ausführt, die zur Anzeige gebracht wird.
Zur Funktion

- Wendezeiger in der Mi-8, Funktionsprinzip

- Wendezeiger-Anzeige in der Mi-8 (und der MiG-21 :-) )
Der Wendezeiger ist mit der Libelle in einem Anzeigegerät vereint. Diese Stahlkugel in einem gebogenen ölgefüllten Glasröhrchen Zeigt die aktuelle seitliche Abweichung des Gewichtskraftsvektors gegenüber der Hubschrauberhochachse an. Bei richtig ausgeführten normalen Flugzuständen befindet sich die Kugel innerhalb der Markierung ("Käfig").
Prinzipiell wird die Anzeige auch von der Schräglage des Hubschraubers beeinflusst. Der Einfluss und damit die Auslenkung durch die Präzession sind jedoch um ein Vielfaches größer. Der Hebelmechanismus bringt die Anzeige auf ein brauchbares Maß. Die Schräglage fällt damit nicht nennenswert ins (Anzeige)Gewicht. Wird die Kurve sauber geflogen -Kugel in der Mitte- entspricht bei 500km/h die Skalenangabe der Schräglage (für die Mi-8 nicht erreichbar, aber das selbe Gerät wird auch in einer MiG verwendet).
Künstlicher Horizont
Der künstliche Horizont ist eines der wichtigsten Fluginstrumente, da er die räumliche Lage des Hubschraubers in der Luft zur Anzeige bringt. Es werden die Längs-und Querneigung dargestellt, was im Falle der Nichtsichtbarkeit der natürlichen Horizontlinie (schwierige Wetterbedingungen, nachts) notwendig wird. Grundelement ist ein vollkardanisch aufgehangener Kreisel mit senkrechter Kreiselachse. Zum Einsatz kommt ein System mit einem inneren und einem äußeren Rahmen, so dass sich der Hubschrauber vollständig um den Kreisel drehen kann. Auf Grund der relativ unkomplizierten Flugmanöver, die eine Veränderung von Quer- und Längsneigung in nur einem relativ geringen Rahmen zulassen, wird beim Hubschrauber auf eine aufwendige Realisierung mit Folgerahmen usw. verzichtet. Dies wird i.d.R. nur bei voll kunstflugtauglichen Luftfahrzeugen angewendet.

- Künstlicher Horizont AGB-3K in der Mi-8
In Anbetracht der scheinbaren Auswanderung der Kreiselachse mit der Zeit durch die Erddrehung oder Flugbewegungen macht sich bei einem Künstlichen Horizont eine Korrektur notwendig. Dazu wird der Kreisel mit einem sogenannten Pendelschalter verbunden. Die Abweichung der Kreiselachse von der örtlichen Vertikalen wird mit diesem Schalter bestimmt, seine elektrischen Ausgangssignale steuern die Motoren für die Längs- und Querkorrektur an. Dabei wird die Längskorrektur mit einem Drehimpuls der Kreiselaufhängung um die Längsachse vorgenommen. Infolge der Präzession bewegt sich der Kreisel um seine Querachse, bis die Achse wieder senkrecht steht (Pendelschalter gibt dan kein Signal mehr ab). Analog erfolgt das bei der Querkorrektur, hier wird ein Korrektur-Drehmoment um die Querachse erzeugt. Das führt zu einer Präzessionsbewegung um die Längsachse, die ausgeführt wird, bis der Pendelschalter kein Signal mehr abgibt.
Fatal wäre eine solche Korrektur jedoch, wenn eine Abweichung der Kreiselachse von der örtlichen Vertikale durch eine Bewegung entsteht, wie etwa beim Kurvenflug. Daher wird beim Kurvenflug die Querkorrektur der Kreisels abgeschaltet. Dies realisiert ein Kurvenschalter (VK-53), der die Ansteuerung des entsprechenden Motors in der Kurve unterbricht. Eine Unterbrechung der Längsneigungskorrektur erfolgt bei diesem künstlichen Horizont nicht. Offensichtlich sind die Beschleunigungen in Längsrichtung nicht groß genug, um ein Fehlsignal beim Pendelschalter auszulösen.
Die genaue Funktion eines solchen Pendelschalters wird im nachfolgenden Kapitel beschrieben.
In der Praxis wurde der AGB-3 mit einer zusätzlichen Libelle ausgestattet, damit muss der Blick beim Flug nicht ständig zwischen zwei weiter entfernten Geräten pendeln (Libelle ist sonst im Wendezeiger integriert). Technisch hat die Libelle jedoch keine Verbindung mit dem Künstlichen Horizont. In moderneren Hubschraubern wird der künstliche Horizont oftmals zu einem Kommandosteuergeräterweitert. In diesem werden dann neben der Anzeige von Quer- und Längsneigung oftmals weitere Parameter angezeigt. In der Mi-24 ist ein solches Gerät als zentrale Anzeige beim 1.HSF installiert, ein weiterer künstlicher Horizont dient nur als Notfallgerät.
Das Gerät verfügt ebenfalls über ein Schauzeichen, das mechanisch aus dem Blickfeld geschwenkt wird, sobald der Kreisel arbeitet. Mit dieser Information wird sichergestellt, dass der Hubschrauberführer nicht nach einen nicht funktionierenden Künstlichen Horizont fliegt. Erfolgt während des Fluges ein Ausfall des Künstlichen Horizontes durch Spannungsausfall, schwenkt das Schauzeichen ein und warnt damit den HSF.
Der künstliche Horizont arbeitet mit einer Dreiphasenwechselspannung, 3~36V, was eine besondere Umsetzung innerhalb des elektrischen Systems der Mi-8 bedingt. Dazu aber mehr in der Übersicht des elektrischen Systems.
In der Mi-8 sind 2 Künstliche Horizonte vorhanden, für den 1. und den 2.Hubschrauberführer. Der Horizont des 1.HSF (links) versorgt ebenfalls den Autopiloten AP-34 mit Lagesignalen, der dann in Abhängigkeit von der erkannten Fluglage selbständig Flugmanöver zur Beibehaltung der Fluglage durchführen kann. Wichtig wird dieser Umstand, wenn der linke künstliche Horizont ausfällt und der Autopilot daraufhin willkürliche oder falsche Manöver ausführt.
Korrekturschalter für die Kompensation der Abweichung der Kreiselvertikalen

- Elektrolyt-Pendelschalter Seitenansicht

- Elektrolyt-Pendelschalter - Ansicht von oben

- Links: Die Erddrehung verursacht eine Auswanderung der Kreiselvertikalen. Rechts: Die Korrektur der Kreiselvertikalen bringt diese wieder in Position zur Erdoberfläche
Beim Einschalten der Kreiselgeräte nach dem Anlassen am Boden stehen die Kreiselachsen in der Regel ebenfalls nicht in der beabsichtigten Ausrichtung zur Erdoberfläche. Dies kommt gewissermaßen einer Erddrehung gleich, und es erfolgt automatisch eine Korrektur der Lage der Kreiselachse, bis die beabsichtige Lage erreicht ist.

- Scheinbare Auswanderung der Kreiselvertikalen im Kurvenflug
Eine solche Auswanderung der Luftblase tritt ebenfalls auf, wenn sich das Luftfahrzeug in einem beschleunigten Flugzustand befindet. Demzufolge muss im Falle von Kurvenflug, Fahrtaufholen, Abbremsen usw. mit dem Zustand des Pendelschalters anders umgegangen werden, da die scheinbare Abweichung der Kreiselachse von der Erdoberfläche-Senkrechten nicht existiert. Daher wird im künstlichen Horizont die Querkorrektur der Kreiselachse mit einem Kurvenschalter (ein eigenes Kreiselaggregat analog dem Wendezeiger ohne Zeiger, aber mit elektrischem Ausgang) abgeschaltet.
Kurssystem
Das Kurssystem der Mi-Hubschrauber arbeitet auf der Basis eines kreiselstabilisierten Magnetkurses. Ein vollkardanischer Kreisel mit horizontaler Achse dient als Bezug, wobei der angezeigte Kurs dieses Kreisels beständig korrigiert werden muss. Die Korrekturen erfolgen durch:
- die Breitengradkorrektur
Diese ist notwendig, da sich der Kreisel (hier unerwünscht) raumstabil verhält und eine Kompensation der Veränderung der Kreiselachse in Bezug auf die Erdoberfläche abhängig von der momentanen geografischen Breite erfolgen muss. Die Grundlagen bzw. Ursachen sind hier beschrieben. - die Magnetkorrektur
Ein magnetischer Induktionsgeber misst ständig den magnetischen Kurs und korrigiert die durch den Kreisel angezeigte Richtung. Die Korrektur erfolgt relativ langsam, so dass die systematischen Kreiselfehler ausgeschaltet werden, jedoch kurzzeitige Schwankungen im Erdmagnetfeld nicht als Schwingungen auf die Anzeige wirken können.
Das Kurssystem kann in mehreren Betriebsarten arbeiten:
- Betriebsart "MK"
Standard-Betriebsart. Der Kreiselkurs wird ständig durch den gemessenen und fehlerbereinigten Magnetkurs korrigiert. - Betriebsart "GPK"
Das Kreiselsystem ist alleiniger Kursgeber. Die Magnetkorrektur wird abgeschaltet, lediglich die vom Steuerpult erzeugten Signale zur Breitengradkorrektur werden als Korrektur verarbeitet. Wichtig wird diese Betriebsart bei Unzuverlässigkeit oder Beschädigung des Magnetinduktionssystems, wie es z.B. bei Magnetanomalien oder nach Kernwaffeneinsatz auftritt. Diese Betriebsart entspricht einem richtigen "Kreiselkompass" - Betriebsart "Inbetriebnahme"
Es erfolgt die automatische Abstimmung des Systems anhand des Magnetkurses mit 45-60°/s, unabhängig von der Stellung des Betriebsartenschalters. - Betriebsart "Automatische Abstimmung"
Hierbei wird automatisch die hohe Abstimmgeschwindigkeit beim Umschalten des Systems von "GPK" nach "MK" eingeschaltet, wenn die Abweichung zwischen beiden größer als 2° ist. - BA "Kontrolle"
Hierbei wird dem Induktionsgeber elektromagnetisch eine Stellung von 0° und 300° "vorgetäuscht". Damit wird die Kontrolle der richtigen Anzeige möglich.
Im Notbetrieb, wenn die Betriebsart "MK" nicht möglich ist (Ausfall oder Störung der Magnetkorrektur), kann eine Sollkursvorgabe erfolgen. Die Richtung kann anhanhd von Orientierungslinien am Boden bestimmt werden, und der geflogene Kurs wird als derzeitiger Sollkurs in das System eingegeben.
In der Mi-8 sind im Laufe der Zeit zwei unterschiedliche Systeme eingesetzt worden. Bis 1971 wurde das System KS-3 eingebaut, welches über einen Folgerahmen im Kreiselsystem verfügte, um den Fehler zu verringern. Ab 1971 kam ein verbessertes System GMK-1 zum Einsatz, welches kein Folgerahmen mehr enthielt. Wichtigster Teil des GMK-1 ist der unten dargestellte GIK (Kreiselinduktionskompass).

- Induktionsgeber zur Bestimmung des Magnetkurses
Um stets eine auswertbare Spannung zu haben, wird eine Dreiecksanordnung von 3 Sonden genutzt. Damit entseht eine Dreiphasenspannung, die sich gut im System von Drehmeldegebern und -empfängern nutzen läßt. Die Stellung zur Nordrichtung wird in ein proportionales elektrisches Signal umgewandelt, welches für die Ansteuerung des Korrekturmechanismus im Kurssystem genutzt wird.

- Prinzip und Struktur des Kurssystems GMK-1

- Prinzip der Kursmessung (Kreiselinduktionskompass GIK)
Die Korrektur des angezeigten Kreiselkurses durch den Magnetkurs erfolgt mit einer Geschwindigkeit von ca. 2...5°/Minute. Damit kann der systematische Fehler des Kreisels korrigiert werden, kurzzeitige Änderungen des Erdmagnetfeldes haben dann keine Bedeutung. Für die Inbetriebnahme und Schnellabstimmung jedoch kann die Korrekturrate auf ca. das Sechzigfache erhöht werden, damit wird ein Einlaufen der Anzeige des (beliebig stehenden Kreisels) in wenigen Sekunden auf den Magnetkurs erreicht.
Auf Grund der Veränderung der Lage des Kreisel gegenüber der Erdoberfläche mit fortschreitender Flugzeit und/oder sich ändernden geografischen Koordinaten wird das Kreiselaggregat so wie z.B. ein künstlicher Horizont in seiner Lage korrigiert. Dazu dient der bekannte Elektrolytpendelschalter, welcher die Abweichung von der örtlichen Vertikalen bestimmt und Signale an einen Momentmotor übermittelt und so den inneren Rahmen wieder in die gewünschte korrekte Ausrichtung bringt. Die Korrektur wird beim Kurvenflug durch den Kurvenschalter VK-53 abgeschaltet, um die in diesem Flugzustand auftretende anscheinende Fehllage des Kreisels nicht irrtümlich zu beheben.
Wichtig ist darüber hinaus die Einstellung der geografischen Breite des Flugraumes am Bedienpult (Nord-Süd und Wert). Damit wird die Abweichung der Vertikalen des Kreiselaggregates (der Kreisel selbst hat nur eine horizontale Achse) korrigiert, wie sie mit der Erdrotation auftritt. Die Abweichung der örtlichen Vertikalen von der Vertikalen des Kreiselaggregates mit der Erdrotation ist von der geografischen Breite abhängig und muss daher in unterschiedlichen Fluggebieten auch unterschiedlich korrigiert werden.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Stromversorgung | =27V, 3~36V, 400Hz |
| Zeit für Betriebsbereitschaft | 3 Minuten (MK), 5 Minuten (GPK) |
| Fehler Bestimmung MK | 2° |
| Fehler bei Kreiselkurs | 2°/Stunde |
| Geschwindigkeit der Magnetkorrektur | 2...6°/Minute |
| Geschwindigkeit der Schnellkorrektur | > 6°/Sekunde |
| Geschwindigkeit der Sollkursvorgabe | 2°/Sekunde |
Bestandteile des Kurssystems
- Anzeige UGR-4UK
- Kreiselaggregat GA-6
- Induktionsgeber ID-3
- Korrekturmechanismus KM-8
- Abstimmmechanismus AS-1
- Steuerpult PU-267
Inbetriebnahme Kurssystem GMK-1
- Stromversorgung 27V= und 3~36V
- Sicherungsautomat (SA) "GMK-1"
Dabei schaltet ein Zeitrelais, welches für 40-60 Sekunden die automatische Schnellabstimmung einschaltet ("Inbetriebnahme") - Kontrolle Umschalter "Nord-Süd"
- Geograf.Breite auf Flugraum einstellen (ca. 52°)
- nach Ablauf von 60 Sekunden auf BA "MK" stellen
- Taster "Kontrolle 0-300" in beide Richtungen betätigen. Der gewählte Sollwert muss ±10° angezeigt werden. Zur Kontrolle leuchtet das Leuchtfeld "?????"auf.
- Einlaufen auf den Standkurs nach Loslassen des Tasters kontrollieren
- Auf GPK schalten
- Sollkurs-Taster betätigen, Auslenkung kontrollieren
- Einlaufen auf den Standkurs nach Loslassen des Tasters kontrollieren.





