Landungen seit 15.08.2003: Counter

Geräte und Instrumente

Grundlagen der Kreiseltheorie

In Luftfahrzeugen werden eine Vielzahl von Kreiselgeräten eingesetzt. Hauptsächlich erfolgt die Anwendung in Fluglage- und Navigationsgeräten. Die Anwendung erfolgt unter anderem in

  • Künstlichen Horizonten
  • Wendezeigern
  • Kurssystemen (Kreiselkompass)
  • Trägheitsnavigationssystemen (dort zur Stabilisierung der Plattform)
  • stabilisierten Plattformen, z.B. in Waffenanlagen.

Kreisel
Kreisel
Kreisel besitzen Eigenschaften, die sie für eine solche Anwendungen gut geeignet erscheinen lassen. Rotierende Kreisel sind raumstabil, d.h., sie behalten ihre Lage im Raum bei, unabhängig von der Bewegung des sie umgebenden Luftfahrzeuges. Nebenstehend sind die grundsätzlichen Merkmale des Kreisels aufgezeichnet; die Kraft F treibt den Kreisel an. Das Drehmoment M des Kreisels steht senkrecht dazu auf der Kreiselachse. 
Dieses Drehmoment spielt eine Rolle bei allen weiteren Betrachtungen von Kreiselwirkungen, wobei die Auswirkungen der Kreiseltheorie bis in die Aerodynamik reichen; schließlich sind auch Trag- und Heckschrauben und Verdichter sowie Turbinen große Kreisel, deren Kräfte und Momente nicht zu vernachlässigen sind. Insbesondere die Neigung des Tragschraubenkegels verursacht große Auswirkungen.

Kreiselpräzession
Kreiselpräzession
Da Kreisel ihre einmal eingenommene Lage im Raum beizu­behalten versuchen, ergeben sich Beson­der heiten beim Einfluss von Kräften auf diesen rotierenden Kreisel.
In nebenstehendem Bild ist der Vektor des Drehmoment des Kreisels nach rechts gerichtet und behält diese Lage bei (1). Versucht man nun, den rotierenden Kreisel in seiner Gesamtheit entgegen dem Uhrzeigersinn horizontal zu drehen (2), hat diese von außen verursachte Bewegung natürlich auch ein eigenes Drehmoment, dessen Vektor (3) hier senkrecht nach oben gerichtet ist. Die darauf folgende Bewegung des Kreisels bewirkt ein Wandern des Kreisel-Drehmomentes in Richtung des störenden Drehmomentes (4). In vorliegendem Fall führt das also zu eines Linksneigung des Kreisels.

Einfach ausgedrückt: die Lage Kreiselachse wird durch die äußere Bewegung verändert. Die Kipprichtung ist die um 90° in Drehrichtung des Kreisels versetzte Stördrehung.


Diese Bewegung wird Präzession genannt und ist für viele Meß- und Korrekturvorgänge von Bedeutung. Ein Wendezeiger zum Beispiel bezieht seine Meßgröße aus eben dieser Präzession.

Vollkardanische und halbkardanische Kreise

In der Praxis werden Kreisel für die unterschiedlichen Zwecke als halb- oder vollkardanische Kreisel ausgeführt.

  • Vollkardanischer Kreisel

    Prinzip des vollkardanischen Kreisels
    Prinzip des vollkardanischen Kreisels
    Für die Anwendung in einem künstlichen Horizont einfacherer Bauart muss der Kreisel so aufgehangen werden, dass sich das Luftfahrzeug vollständig um ihn drehen kann. Der Kreisel hat dann 3 Freiheitsgrade, d.h., er kann sich um alle 3 Achsen unseres Koordinatensystems drehen. Dieser vollkardanische Kreisel (hier horizontal eingebaut, damit er uns eine Horizontale anzeigen kann) wird in 2 Rahmen aufgehangen, einem inneren und einem äußeren. Die Befestigung des äußeren Rahmens (=das Luftfahrzeug) kann sich auf Grund der 3 Freiheitsgrade völlig frei um diesen Kreisel drehen. Die dargestellte Konstellation ist für die meisten künstlichen Horizonte ausreichend.

    Mehr Aufwand wird betrieben, wenn er in hoch manövrierfähigen Flugzeugen eingesetzt wird, denn hier kann es bei extremer Schräglage oder Längsneigung dazu kommen, dass die beiden Rahmen, die hier standardmäßig 90° zueinander stehen, in der selben Ebene liegen und sich quasi gegenseitig blockieren. Für solche Fälle werden Kreisel mit so genannten Folgerahmen aufgebaut. Bei diesen wird um den äußeren Rahmen noch ein weiterer Folgerahmen gesetzt, der nochmals um 90° verdreht ist. Damit ist in jedem Falle gewährleistet, dass die Rahmen sich nicht gegenseitig blockieren können.

    Prinzip des vollkardanischen Kreisels mit Folgerahmen
    Prinzip des vollkardanischen Kreisels mit Folgerahmen
  • Halbkardanischer Kreisel

    Prinzip des halbkardanischen Kreisels
    Prinzip des halbkardanischen Kreisels
    In einem Wendezeiger kommt ein halbkardanischer Kreisel zum Einsatz. Der Kreisel hat nur 2 Freiheitsgrade, er ist in einem drehbaren Rahmen aufgehangen. In der gezeigten Grafik kann sich der Hubschrauber unbehelligt um seine Längsachse nach links oder rechts drehen, der Kreisel behält seine Raumlage bei. Dreht sich das Luftfahrzeug dagegen um seine Hochachse, d.h., der Rahmen wird gemeinsam mit dem Kreisel gedreht, wird der Kreisel in seiner Bewegung gestört. Es tritt die oben beschriebene Präzession auf. Die Drehung des Luftfahrzeuges um die Hochachse verursacht eine Neigung des Kreisels nach rechts oder links, da der um die Hochachse nicht drehbare Kreisel mit einer Präzessionsbewegung reagiert.
    Die Präzessionsauslenkung des Kreisels ist um ein Vielfaches größer als die scheinbare Neigung durch die Schräglage. Mit verschiedenen mechanischen Mitteln wird die Reaktion auf eine vernünftiges Anzeigemaß gebracht.

Lageänderung des Kreisels in Bezug auf die Erde

Die weiter oben beschriebene Raumstabilität des Kreisels ist zwar die Voraussetzung für eine präzise Messung unterschiedlichster Angaben, jedoch ist sie nicht in jedem Falle dem Zweck dienlich. Die Raumstabilität bezieht sich auf den Weltraum und nicht auf die von uns als Maß der Dinge betrachteten Erdoberfläche. Der einmal rotierende Kreisel versucht seine Lage im Weltraum beizubehalten. Bei der Anwendung auf der Erde führt dies zu Problemen, da die Erdoberfläche sich gegenüber dem Weltraum bewegt und die Orientierung ändert.

Änderung der relativen Lage eines vollkardanischen Kreisels in Bezug auf die Erdoberfläche mit fortschreitender Zeit
Änderung der relativen Lage eines vollkardanischen Kreisels in Bezug auf die Erdoberfläche mit fortschreitender Zeit
In der Grafik wird ein senkrecht ausgerichteter Kreisel (z.B. auf einen Fixstern ausgerichtet) aufgestellt. Mit fortschreitender Zeit führt die Erde eine Drehung aus, und unser gewünschtes Bezugssystem "Erdoberfläche" verändert seine Lage gegenüber dem Weltraum. Rotierte dieser Kreisel am Äquator 6 Stunden unbeeinflusst, so würde er dann eine Neigung von 90° (Längs- oder Querneigung, je nach Standrichtung des Luftfahrzeuges) anzeigen. Selbiges Phänomen tritt auch auf, wenn man sich vom Äquator in Richtung Nord- oder Südpol bewegt. Die Kreiselachse zeigt noch immer auf den zu Beginn des Fluges als Bezug genommenen Fixstern.

In der Praxis müssen für eine konstante Ausrichtung des Kreisels zur Erdoberfläche folgende Korrekturfaktoren berücksichtigt werden:

  • Scheinbare Auswanderung der Kreiselachse infolge der Erddrehung
  • Scheinbare Auswanderung der Kreiselachse bei Bewegung (Flug), da infolge der Erdkrümmung an jedem Ort eine gegenüber dem vorherigen Ort geneigte örtliche Vertikale und/oder N-S- und/oder O-W-Achse existiert
  • Corioliskräfte bei Bewegung des Kreisels (Flug) nach Norden/ Süden
  • Zentripetalkräfte beim Flug. 

Die beiden letztgenannten Kräfte sind in ihrer Auswirkung erheblich kleiner als die Folgen der Erddrehung bzw. Eigenbewegung über die Erde und werden nicht in jedem Falle berücksichtigt.

Die relativen Lageänderungen eines Kreisels müssen ausgeglichen werden, um stets die richtige Fluglage in Bezug auf die Erde anzuzeigen. Je nach Anforderung und Gerät werden dazu unterschiedliche Steuermechanismen eingesetzt, die zum Teil erheblichen Aufwand bedeuten. Varianten sind:

  • Messung der Abweichung der Kreiselachse aus der Mitte des Achslagers während des unbeschleunigten Fluges. Daraus wird eine Korrekturspannung abgeleitet, welche über einen Elektromotor den Kreiselrahmen dreht und so eine Präzession hervorruft, die die Kreiselachse wieder in die richtige Position bringt. Eine solche Vorgehensweise ist z.B. in der Mi-x mit einem Elektrolyt-Pendelschalter realisiert, der im künstlichen Horizont und weiteren Geräten zu finden ist.
  • Integralkorrektur mit Steuerwerten aus der Beschleunigungsmessung - in aller Regel bei Trägheitsnavigationsanlagen verwendet, die eine kreiselstabilisierte Plattform haben. Die Anlage ermittelt infolge der Beschleunigungsmessung jederzeit die aktuelle geografische Position und führt über diese eine in der Größe angemessene Korrektur (ebenfalls über Ansteuerung des Kreiselrahmens - Präzession) aus.

Wendezeiger

Der Wendezeiger dient der Anzeige der Drehung um die Hochachse des Luftfahrzeuges und erlaubt dabei eine quantitative Abschätzung der Winkelgeschwindigkeit.

Grundlage ist ein halbkardanisch aufgehängter Kreisel, der bei der Drehung um die Hochachse des Luftfahrzeuges (da er gemeinsam mit diesem gedreht wird) eine Präzessionsbewegung ausführt, die zur Anzeige gebracht wird.

 

Zur Funktion

Wendezeiger in der Mi-8, Funktionsprinzip
Wendezeiger in der Mi-8, Funktionsprinzip
Wendezeiger-Anzeige in der Mi-8 (und der MiG-21 :-) )
Wendezeiger-Anzeige in der Mi-8 (und der MiG-21 :-) )
Der Hubschrauber dreht sich -angenommen- im Uhrzeigersinn gemeinsam mit dem Kreiselrahmen. Das verursacht eine Präzessionsbewegung des Kreisels gemäß den weiter oben beschriebenen Gesetzmäßigkeiten. Der Kreisel kippt nach links. Über einen Hebelmechanismus wird die Drehrichtung umgekehrt und mit einem Zeiger die Stärke der Präzession zur Anzeige gebracht. Die Auslenkung wird mit Federn wieder gegen 0 gebracht, so dass stets nur die aktuell anliegende Präzession (Kraft) eine Anzeige bewirkt. Fällt die Drehung um die Hochachse weg, ziehen die Federn die Anzeige wieder auf 0. Weiterhin wird die Bewegung gedämpft (Luftdämpferelement nicht dargestellt), um eine zu ruhige Anzeige des sehr empfindlichen Gerätes zu erreichen.

Der Wendezeiger ist mit der Libelle in einem Anzeigegerät vereint. Diese Stahlkugel in einem gebogenen ölgefüllten Glasröhrchen Zeigt die aktuelle seitliche Abweichung des Gewichtskraftsvektors gegenüber der Hubschrauberhochachse an. Bei richtig ausgeführten normalen Flugzuständen befindet sich die Kugel innerhalb der Markierung ("Käfig").

Prinzipiell wird die Anzeige auch von der Schräglage des Hubschraubers beeinflusst. Der Einfluss und damit die Auslenkung durch die Präzession sind jedoch um ein Vielfaches größer. Der Hebelmechanismus bringt die Anzeige auf ein brauchbares Maß. Die Schräglage fällt damit nicht nennenswert ins (Anzeige)Gewicht. Wird die Kurve sauber geflogen -Kugel in der Mitte- entspricht bei 500km/h die Skalenangabe der Schräglage (für die Mi-8 nicht erreichbar, aber das selbe Gerät wird auch in einer MiG verwendet).

Künstlicher Horizont

Der künstliche Horizont ist eines der wichtigsten Fluginstrumente, da er die räumliche Lage des Hubschraubers in der Luft zur Anzeige bringt. Es werden die Längs-und Querneigung dargestellt, was im Falle der Nichtsichtbarkeit der natürlichen Horizontlinie (schwierige Wetterbedingungen, nachts) notwendig wird. Grundelement ist ein vollkardanisch aufgehangener Kreisel mit senkrechter Kreiselachse. Zum Einsatz kommt ein System mit einem inneren und einem äußeren Rahmen, so dass sich der Hubschrauber vollständig um den Kreisel drehen kann. Auf Grund der relativ unkomplizierten Flugmanöver, die eine Veränderung von Quer- und Längsneigung in nur einem relativ geringen Rahmen zulassen, wird beim Hubschrauber auf eine aufwendige Realisierung mit Folgerahmen usw. verzichtet. Dies wird i.d.R. nur bei voll kunstflugtauglichen Luftfahrzeugen angewendet.

Künstlicher Horizont AGB-3K in der Mi-8
Künstlicher Horizont AGB-3K in der Mi-8
Der Kreisel bewahrt die Lage seiner Achse im Raum. Eine Drehung des Luftfahrzeuges um die Längsachse, was einer Querneigung entspricht, wird mechanisch auf eine Flugzeugsilhouette übertragen. Diese dreht sich über eine Zahnradansteuerung entgegengesetzt, so dass am Künstlichen Horizont bei einer Rechtsneigung des Hubschraubers die Silhouette ebenfalls nach rechts dreht. Bei einer Drehung um die Querachse (Auftreten von Längsneigung) wird die Verdrehung des inneren gegenüber dem äußeren Rahmen über einen Drehmeldegeber abgenommen. Das der Verdrehung analoge elektrische Signal wird auf einen Motor geleitet, der eine Bandskale mit Längsneigungs-Markierungen in Bewegung setzt. Über den Rückkopplungsmechanismus Drehmeldegeber-Drehmeldeempfänger wird sichergestellt, dass die Bandskale einen der Verdrehung analogen Anzeigewert darstellt. In diesen Rückkopplungskreis greift eine Stellschraube ein, die die Horizontlinie so einstellen kann, dass sie beim Blickwinkel des Hubschrauberführers (Sitzposition!) auf 0 steht. In der Praxis erweist es sich oft günstig, die Horizontlinie knapp unter der Silhouette zu haben, dann fallen Abweichungen besser auf. Durch die Realisierung mit einer (endlichen) Bandskale können nur begrenzte Bereiche einer Längsneigung dargestellt werden, was für die Mi-8 jedoch völlig ausreicht.

Künstlicher Horizont AGB-3 in der Mi-8Künstlicher Horizont AGB-3 in der Mi-8
Künstlicher Horizont AGB-3 in der Mi-8
Künstlicher Horizont der Mi-24Künstlicher Horizont der Mi-24
Künstlicher Horizont der Mi-24
Kommandosteuergerät Mi-24Kommandosteuergerät Mi-24
Kommandosteuergerät Mi-24
In Anbetracht der scheinbaren Auswanderung der Kreiselachse mit der Zeit durch die Erddrehung oder Flugbewegungen macht sich bei einem Künstlichen Horizont eine Korrektur notwendig. Dazu wird der Kreisel mit einem sogenannten Pendelschalter verbunden. Die Abweichung der Kreiselachse von der örtlichen Vertikalen wird mit diesem Schalter bestimmt, seine elektrischen Ausgangssignale steuern die Motoren für die Längs- und Querkorrektur an. Dabei wird die Längskorrektur mit einem Drehimpuls der Kreiselaufhängung um die Längsachse vorgenommen. Infolge der Präzession bewegt sich der Kreisel um seine Querachse, bis die Achse wieder senkrecht steht (Pendelschalter gibt dan kein Signal mehr ab). Analog erfolgt das bei der Querkorrektur, hier wird ein Korrektur-Drehmoment um die Querachse erzeugt. Das führt zu einer Präzessionsbewegung um die Längsachse, die ausgeführt wird, bis der Pendelschalter kein Signal mehr abgibt.

Fatal wäre eine solche Korrektur jedoch, wenn eine Abweichung der Kreiselachse von der örtlichen Vertikale durch eine Bewegung entsteht, wie etwa beim Kurvenflug. Daher wird beim Kurvenflug die Querkorrektur der Kreisels abgeschaltet. Dies realisiert ein Kurvenschalter (VK-53), der die Ansteuerung des entsprechenden Motors in der Kurve unterbricht. Eine Unterbrechung der Längsneigungskorrektur erfolgt bei diesem künstlichen Horizont nicht. Offensichtlich sind die Beschleunigungen in Längsrichtung nicht groß genug, um ein Fehlsignal beim Pendelschalter auszulösen. 
Die genaue Funktion eines solchen Pendelschalters wird im nachfolgenden Kapitel beschrieben.

In der Praxis wurde der AGB-3 mit einer zusätzlichen Libelle ausgestattet, damit muss der Blick beim Flug nicht ständig zwischen zwei weiter entfernten Geräten pendeln (Libelle ist sonst im Wendezeiger integriert). Technisch hat die Libelle jedoch keine Verbindung mit dem Künstlichen Horizont. In moderneren Hubschraubern wird der künstliche Horizont oftmals zu einem Kommandosteuergeräterweitert. In diesem werden dann neben der Anzeige von Quer- und Längsneigung oftmals weitere Parameter angezeigt. In der Mi-24 ist ein solches Gerät als zentrale Anzeige beim 1.HSF installiert, ein weiterer künstlicher Horizont dient nur als Notfallgerät.

Das Gerät verfügt ebenfalls über ein Schauzeichen, das mechanisch aus dem Blickfeld geschwenkt wird, sobald der Kreisel arbeitet. Mit dieser Information wird sichergestellt, dass der Hubschrauberführer nicht nach einen nicht funktionierenden Künstlichen Horizont fliegt. Erfolgt während des Fluges ein Ausfall des Künstlichen Horizontes durch Spannungsausfall, schwenkt das Schauzeichen ein und warnt damit den HSF.

Der künstliche Horizont arbeitet mit einer Dreiphasenwechselspannung, 3~36V, was eine besondere Umsetzung innerhalb des elektrischen Systems der Mi-8 bedingt. Dazu aber mehr in der Übersicht des elektrischen Systems.

In der Mi-8 sind 2 Künstliche Horizonte vorhanden, für den 1. und den 2.Hubschrauberführer. Der Horizont des 1.HSF (links) versorgt ebenfalls den Autopiloten AP-34 mit Lagesignalen, der dann in Abhängigkeit von der erkannten Fluglage selbständig Flugmanöver zur Beibehaltung der Fluglage durchführen kann. Wichtig wird dieser Umstand, wenn der linke künstliche Horizont ausfällt und der Autopilot daraufhin willkürliche oder falsche Manöver ausführt.

Korrekturschalter für die Kompensation der Abweichung der Kreiselvertikalen

Elektrolyt-Pendelschalter Seitenansicht
Elektrolyt-Pendelschalter Seitenansicht
Elektrolyt-Pendelschalter - Ansicht von oben
Elektrolyt-Pendelschalter - Ansicht von oben
Der Kreisel wird mit seiner Achse auf einem Korrekturschalter (Pendelschalter) gelagert. Dieser besteht aus einem mit Elektrolytflüssigkeit gefüllten Gehäuse, worin sich ebenfalls eine Luftblase befindet. Diese Luftblase zeigt den physikalischen Gesetzen folgend stets "nach oben" in Bezug auf die Richtung der wirksamen Gewichtskraft. Sofern der Kreisel richtig ausgerichtet ist, zeigt die Gewichtskraft beim Stand am Boden und beim unbeschleunigten Flug senkrecht nach unten, damit ist die Luftblase im Gehäuse zentral oben und verhindert einen Kontakt des elektrischen Anschlusses mit der (leitenden) Elektrolytflüssigkeit.

Links: Die Erddrehung verursacht eine Auswanderung der Kreiselvertikalen. Rechts: Die Korrektur der Kreiselvertikalen bringt diese wieder in Position zur Erdoberfläche
Links: Die Erddrehung verursacht eine Auswanderung der Kreiselvertikalen. Rechts: Die Korrektur der Kreiselvertikalen bringt diese wieder in Position zur Erdoberfläche
Steht die Achse des Kreisels nicht in gleicher Richtung mit dem Gewichtskraft-Vektor, zeigt die Luftblase nicht mehr in das Zentrum des Pendelschalters. Die Elektrolytflüssigkeit verbindet jetzt die elektrischen Kontakte, am Ausgang kann eine Spannung abgenommen werden, die der Abweichung analog ist. Die Elektrolytflüssigkeit ermöglicht einen veränderbaren Widerstand zwischen Ein- und Ausgang, analog dem Kippwinkel. Diese wird in einer elektrischen Verschaltung zur Korrektursteuerung der Kreiselachse (gezielte Präzession über Momentmotoren) genutzt. Ein solcher Fall tritt bei der oben beschriebenen Drehung der Erde oder einem Flug auf, bei dem geografische Länge bzw. Breite verändert werden. Aus diesem Grunde kann die Korrekturspannung am Ausgang für die Kompensation der Kreiselachsenwanderung gegenüber der örtlichen Vertikale der Erdoberfläche genutzt werden. Das Gesamtsystem Kreisel wird über einen Motor in die nun scheinbar richtige Lage gebracht, bis die Luftblase eine Korrekturspannung am Ausgang verhindert. In der Praxis wird eine Korrektur der Kreiselachse über einen Motor erreicht, der um 90° versetzt am Rahmen angreift und so gezielt eine Präzession des Kreisels verursacht (Momentmotor). Damit wird er in die "richtige" Stellung, senkrecht zu Erdoberfläche, gebracht.

Beim Einschalten der Kreiselgeräte nach dem Anlassen am Boden stehen die Kreiselachsen in der Regel ebenfalls nicht in der beabsichtigten Ausrichtung zur Erdoberfläche. Dies kommt gewissermaßen einer Erddrehung gleich, und es erfolgt automatisch eine Korrektur der Lage der Kreiselachse, bis die beabsichtige Lage erreicht ist.

Scheinbare Auswanderung der Kreiselvertikalen im Kurvenflug
Scheinbare Auswanderung der Kreiselvertikalen im Kurvenflug

Eine solche Auswanderung der Luftblase tritt ebenfalls auf, wenn sich das Luftfahrzeug in einem beschleunigten Flugzustand befindet. Demzufolge muss im Falle von Kurvenflug, Fahrtaufholen, Abbremsen usw. mit dem Zustand des Pendelschalters anders umgegangen werden, da die scheinbare Abweichung der Kreiselachse von der Erdoberfläche-Senkrechten nicht existiert. Daher wird im künstlichen Horizont die Querkorrektur der Kreiselachse mit einem Kurvenschalter (ein eigenes Kreiselaggregat analog dem Wendezeiger ohne Zeiger, aber mit elektrischem Ausgang) abgeschaltet.

Kurssystem

Das Kurssystem der Mi-Hubschrauber arbeitet auf der Basis eines kreiselstabilisierten Magnetkurses. Ein vollkardanischer Kreisel mit horizontaler Achse dient als Bezug, wobei der angezeigte Kurs dieses Kreisels beständig korrigiert werden muss. Die Korrekturen erfolgen durch:

  • die Breitengradkorrektur
    Diese ist notwendig, da sich der Kreisel (hier unerwünscht) raumstabil verhält und eine Kompensation der Veränderung der Kreiselachse in Bezug auf die Erdoberfläche abhängig von der momentanen geografischen Breite erfolgen muss. Die Grundlagen bzw. Ursachen sind hier beschrieben.
  • die Magnetkorrektur
    Ein magnetischer Induktionsgeber misst ständig den magnetischen Kurs und korrigiert die durch den Kreisel angezeigte Richtung. Die Korrektur erfolgt relativ langsam, so dass die systematischen Kreiselfehler ausgeschaltet werden, jedoch kurzzeitige Schwankungen im Erdmagnetfeld nicht als Schwingungen auf die Anzeige wirken können.

Das Kurssystem kann in mehreren Betriebsarten arbeiten:

  • Betriebsart "MK"
    Standard-Betriebsart. Der Kreiselkurs wird ständig durch den gemessenen und fehlerbereinigten Magnetkurs korrigiert.
  • Betriebsart "GPK"
    Das Kreiselsystem ist alleiniger Kursgeber. Die Magnetkorrektur wird abgeschaltet, lediglich die vom Steuerpult erzeugten Signale zur Breitengradkorrektur werden als Korrektur verarbeitet. Wichtig wird diese Betriebsart bei Unzuverlässigkeit oder Beschädigung des Magnetinduktionssystems, wie es z.B. bei Magnetanomalien oder nach Kernwaffeneinsatz auftritt. Diese Betriebsart entspricht einem richtigen "Kreiselkompass"
  • Betriebsart "Inbetriebnahme"
    Es erfolgt die automatische Abstimmung des Systems anhand des Magnetkurses mit 45-60°/s, unabhängig von der Stellung des Betriebsartenschalters.
  • Betriebsart "Automatische Abstimmung"
    Hierbei wird automatisch die hohe Abstimmgeschwindigkeit beim Umschalten des Systems von "GPK" nach "MK" eingeschaltet, wenn die Abweichung zwischen beiden größer als 2° ist.
  • BA "Kontrolle"
    Hierbei wird dem Induktionsgeber elektromagnetisch eine Stellung von 0° und 300° "vorgetäuscht". Damit wird die Kontrolle der richtigen Anzeige möglich.

Im Notbetrieb, wenn die Betriebsart "MK" nicht möglich ist (Ausfall oder Störung der Magnetkorrektur), kann eine Sollkursvorgabe erfolgen. Die Richtung kann anhanhd von Orientierungslinien am Boden bestimmt werden, und der geflogene Kurs wird als derzeitiger Sollkurs in das System eingegeben.

In der Mi-8 sind im Laufe der Zeit zwei unterschiedliche Systeme eingesetzt worden. Bis 1971 wurde das System KS-3 eingebaut, welches über einen Folgerahmen im Kreiselsystem verfügte, um den Fehler zu verringern. Ab 1971 kam ein verbessertes System GMK-1 zum Einsatz, welches kein Folgerahmen mehr enthielt. Wichtigster Teil des GMK-1 ist der unten dargestellte GIK (Kreiselinduktionskompass).

Induktionsgeber zur Bestimmung des Magnetkurses
Induktionsgeber zur Bestimmung des Magnetkurses
Kernstück des Messung des Magnetkurses ist der Induktionsgeber. Dieser besteht aus 2 Kernen, um die 2 Spulen gewickelt sind. an die eine Spule wird eine Steuer-Wechselspannung U1 gelegt. Die U1 ändert für das ebenfalls einwirkende Magnetfeld der Erde periodisch den magnetischen Widerstand. Die Wechselwirkung induziert in einer zweiten Spule eine Signalspannung U2, die proportional der Stellung des Induktionsgebers gegenüber der Nordrichtung ist. Zeigt die Symmetrieachse und damit die Längsachse des HS nach Norden, ist die U2 gleich 0, bei einem Winkel von 90° ist die Spannung U2 maximal.

Um stets eine auswertbare Spannung zu haben, wird eine Dreiecksanordnung von 3 Sonden genutzt. Damit entseht eine Dreiphasenspannung, die sich gut im System von Drehmeldegebern und -empfängern nutzen läßt. Die Stellung zur Nordrichtung wird in ein proportionales elektrisches Signal umgewandelt, welches für die Ansteuerung des Korrekturmechanismus im Kurssystem genutzt wird.

Prinzip und Struktur des Kurssystems GMK-1
Prinzip und Struktur des Kurssystems GMK-1
Prinzip der Kursmessung (Kreiselinduktionskompass GIK)
Prinzip der Kursmessung (Kreiselinduktionskompass GIK)
Der Kreisel hält seine Lage im Raum und zeigt damit eine Be­zugs rich tung an. Der Induk­tions geber misst den mag ne ti schen Kurs und kor­rigiert, nach­dem er selbst über einen Kor rek tur me­cha nis mus geführt wurde, einen Dreh­mel de ge ber des Krei sel­kom pass'. Damit wird nicht der Krei sel selbst, sondern nur die von ihm über mit tel te Stel lung in ihrem Wert ver än dert. Die An zeige erfolgt gemäß dem vom Magnet­kompass korri gierten Wert. Der Kor rektur mecha nismus nimmt eine Richtig stellung der Viertel kreis deviation vor, über einen Band mecha nismus kann die Abwei chung alle 15° "program miert" werden. Der korri gierte Magnet kurs kann an einer eigenen Anzeige abgelesen werden, diese befindet sich hinter dem linken HSF-Sitz. Abschließend wird die Differenz von anliegendem Magnet- und Kreiselkurs gemessen, das Differenzsignal wird zur Motorsteuerung für die Korrektur genutzt. Am Anzeigegerät in den Instrumentenpulten wird der kreiselstabilisierte Kurs zur Anzeige gebracht.
Die Korrektur des angezeigten Kreiselkurses durch den Magnetkurs erfolgt mit einer Geschwindigkeit von ca. 2...5°/Minute. Damit kann der systematische Fehler des Kreisels korrigiert werden, kurzzeitige Änderungen des Erdmagnetfeldes haben dann keine Bedeutung. Für die Inbetriebnahme und Schnellabstimmung jedoch kann die Korrekturrate auf ca. das Sechzigfache erhöht werden, damit wird ein Einlaufen der Anzeige des (beliebig stehenden Kreisels) in wenigen Sekunden auf den Magnetkurs erreicht. 
Auf Grund der Veränderung der Lage des Kreisel gegenüber der Erdoberfläche mit fortschreitender Flugzeit und/oder sich ändernden geografischen Koordinaten wird das Kreiselaggregat so wie z.B. ein künstlicher Horizont in seiner Lage korrigiert. Dazu dient der bekannte Elektrolytpendelschalter, welcher die Abweichung von der örtlichen Vertikalen bestimmt und Signale an einen Momentmotor übermittelt und so den inneren Rahmen wieder in die gewünschte korrekte Ausrichtung bringt. Die Korrektur wird beim Kurvenflug durch den Kurvenschalter VK-53 abgeschaltet, um die in diesem Flugzustand auftretende anscheinende Fehllage des Kreisels nicht irrtümlich zu beheben.
Wichtig ist darüber hinaus die Einstellung der geografischen Breite des Flugraumes am Bedienpult (Nord-Süd und Wert). Damit wird die Abweichung der Vertikalen des Kreiselaggregates (der Kreisel selbst hat nur eine horizontale Achse) korrigiert, wie sie mit der Erdrotation auftritt. Die Abweichung der örtlichen Vertikalen von der Vertikalen des Kreiselaggregates mit der Erdrotation ist von der geografischen Breite abhängig und muss daher in unterschiedlichen Fluggebieten auch unterschiedlich korrigiert werden.

Technische Daten Kurssystem
Parameter Wert
Stromversorgung =27V, 3~36V, 400Hz
Zeit für Betriebsbereitschaft 3 Minuten (MK), 5 Minuten (GPK)
Fehler Bestimmung MK
Fehler bei Kreiselkurs 2°/Stunde
Geschwindigkeit der Magnetkorrektur 2...6°/Minute
Geschwindigkeit der Schnellkorrektur > 6°/Sekunde
Geschwindigkeit der Sollkursvorgabe 2°/Sekunde

Bestandteile des Kurssystems

  • Anzeige UGR-4UK
  • Kreiselaggregat GA-6
  • Induktionsgeber ID-3
  • Korrekturmechanismus KM-8
  • Abstimmmechanismus AS-1
  • Steuerpult PU-267

Inbetriebnahme Kurssystem GMK-1

Korrekturmechanismus mit Anzeige des korrigierten MagnetkursesKorrekturmechanismus mit Anzeige des korrigierten Magnetkurses
Korrekturmechanismus mit Anzeige des korrigierten Magnetkurses
Anzeige Kurssystem am InstrumentenpultAnzeige Kurssystem am Instrumentenpult
Anzeige Kurssystem am Instrumentenpult
Steuerung Kurssystem am rechten SeitenpultSteuerung Kurssystem am rechten Seitenpult
Steuerung Kurssystem am rechten Seitenpult
  • Stromversorgung 27V= und 3~36V
  • Sicherungsautomat (SA) "GMK-1"
    Dabei schaltet ein Zeitrelais, welches für 40-60 Sekunden die automatische Schnellabstimmung einschaltet ("Inbetriebnahme")
  • Kontrolle Umschalter "Nord-Süd"
  • Geograf.Breite auf Flugraum einstellen (ca. 52°)
  • nach Ablauf von 60 Sekunden auf BA "MK" stellen
  • Taster "Kontrolle 0-300" in beide Richtungen betätigen. Der gewählte Sollwert muss ±10° angezeigt werden. Zur Kontrolle leuchtet das Leuchtfeld "?????"auf.
  • Einlaufen auf den Standkurs nach Loslassen des Tasters kontrollieren
  • Auf GPK schalten
  • Sollkurs-Taster betätigen, Auslenkung kontrollieren
  • Einlaufen auf den Standkurs nach Loslassen des Tasters kontrollieren.
Die Mi-2, der Ausbildungshubschrauber Typ I